24.02.24
Stilkunde: Glasarmkronleuchter
Stilkunde – Der böhmische Glasarmkronleuchter
Der Glasarmkronleuchter gehört zu den klassischen Formen böhmischer Leuchtenkunst. Seine geschwungenen Arme aus Glas, der mehrteilige gläserne Mittelschaft und der funkelnde Kristallbehang verleihen ihm eine besonders leichte und elegante Erscheinung.
Die Entwicklung dieser Kronleuchterform ist eng mit der aufblühenden Glasindustrie Nordböhmens im 17. und 18. Jahrhundert verbunden – und ebenso mit der Geschichte der Familie Palme.
Was ist ein Glasarmkronleuchter?
Das auffälligste Merkmal eines Glasarmkronleuchters steckt bereits im Namen: Seine Leuchtenarme bestehen aus gebogenem Glas.
Die meist S-förmig geschwungenen Glasarme tragen die Kerzen beziehungsweise später die elektrischen Fassungen. Im Zentrum befindet sich ein mehrteiliger Aufbau aus unterschiedlichen Glaselementen, der traditionell als Schaftkrone bezeichnet wird.
Typische Merkmale eines klassischen Glasarmkronleuchters sind:
- S-förmig geschwungene Glasarme,
- ein zentraler Aufbau aus mehreren Glasteilen,
- Glas- oder Kristallschalen unterhalb der Kerzenarme,
- Kristallbehang an Armen und Gestell,
- Pendel, Tropfen und andere geschliffene Kristallformen.
Anders als beim Maria-Theresia-Lüster werden die Arme also nicht aus glasverkleidetem Flacheisen gefertigt, sondern der sichtbare Leuchtenarm selbst besteht aus Glas.
Vom Bergkristall zum böhmischen Kristallglas
Bereits im 16. und 17. Jahrhundert wurden Kronleuchter mit geschliffenem Bergkristall geschmückt. Mit der Weiterentwicklung der europäischen Glasherstellung entstanden schließlich immer hochwertigere künstlich hergestellte Gläser, die sich schleifen und zu dekorativen Leuchtenelementen verarbeiten ließen.
Besonders Nordböhmen entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum der Glasverarbeitung. Glashütten, Schleifereien, Glasraffinerien und spezialisierte Handwerker arbeiteten eng zusammen und schufen neue Formen von Glas- und Kristallleuchten.
Josef Palme und die Glaslüster aus Parchen
Eine wichtige Rolle in dieser Entwicklung spielte Josef Palme (1701–1747). Im Jahr 1724 gründete er in Parchen bei Steinschönau die Glasraffinerie Josef Palme, die sich insbesondere auf die Herstellung von Glaslüstern spezialisierte.
Josef Palme bezog Rohglas unter anderem von regionalen Glashütten und ließ dieses weiterverarbeiten. Ein Teil der Veredelung erfolgte in der eigenen Schleiferei und Kuglerei in Parchen.
Durch die Verbindung von Glasverarbeitung, Schleiftechnik und Leuchtenbau entstanden Glaslüster, die schon früh über die Grenzen Böhmens hinaus geliefert wurden.
Ein Kronleuchter für Prinz Eugen von Savoyen
Einer der frühesten dokumentierten Leuchter aus der Geschichte des Unternehmens wurde um 1724 für Prinz Eugen von Savoyen nach Schloss Hof bei Wien geliefert.
Dieser frühe Glaslüster zeigt bereits wesentliche Gestaltungsmerkmale der böhmischen Glasarmkrone und steht am Beginn einer Entwicklung, die den europäischen Kronleuchterbau im 18. Jahrhundert nachhaltig prägen sollte.
Von glatten zu kunstvoll verzierten Glasarmen
Die frühen Glasarme waren zunächst vergleichsweise schlicht und glatt ausgeführt. Mit zunehmender handwerklicher Erfahrung entstanden aufwendigere Varianten mit gerieften, geschliffenen oder dekorativ bearbeiteten Oberflächen.
Auch der Kristallbehang wurde immer prächtiger. Anfangs kamen einfachere geschliffene Formen zum Einsatz. Im Laufe des 18. Jahrhunderts wurden die Kronleuchter zunehmend mit aufwendig geschliffenen Pendeln und weiteren Kristallelementen ausgestattet.
Das Zusammenspiel aus transparenten Glasarmen und geschliffenem Kristall führte zu einer außergewöhnlichen Lichtwirkung: Das Licht wurde nicht nur vom Behang reflektiert, sondern durchdrang auch die gläserne Konstruktion des Kronleuchters selbst.
Einfluss auf den europäischen Kronleuchterbau
Der böhmische Glasarmkronleuchter entwickelte sich im 18. Jahrhundert zu einer international gefragten Leuchtenform.
Ähnliche Konstruktionen entstanden in der Folge auch in anderen europäischen Regionen und Ländern. Glasarmkronleuchter wurden unter anderem in Deutschland, Frankreich, Skandinavien, England und Irland gefertigt und jeweils regional weiterentwickelt.
Dadurch entstanden unterschiedliche Stilrichtungen, doch das Grundprinzip der geschwungenen Glasarme und des zentralen gläsernen Schaftaufbaus blieb erhalten.
Glasarmkronleuchter und Maria-Theresia-Lüster – der Unterschied
Beide Leuchtenformen werden häufig mit böhmischen Kristallkronleuchtern verbunden, unterscheiden sich konstruktiv jedoch deutlich.
- Glasarmkronleuchter: Die geschwungenen Leuchtenarme selbst bestehen aus Glas.
- Maria-Theresia-Lüster: Die tragende Konstruktion besteht aus geformtem Flacheisen, das mit geschliffenen Glasleisten und Rosetten verkleidet wird.
Dieser Unterschied ist eines der wichtigsten Merkmale bei der stilistischen Einordnung historischer Kristallleuchter.
Glasarmkronleuchter bei CHRISTOPH PALME
Nach dem Tod von Josef Palme im Jahr 1747 wurde die Familientradition durch seinen Bruder Christoph Palme (1705–1781) und die folgenden Generationen fortgeführt.
Glasarmkronleuchter gehörten über viele Generationen zum Sortiment von CHRISTOPH PALME. Neben zeitgenössischen Entwürfen entstanden auch Nachbildungen historischer Originalmodelle, bei denen traditionelle Formen und Konstruktionen wieder aufgegriffen wurden.
Heute gehören diese Leuchten zu den eindrucksvollen Zeugnissen einer jahrhundertealten böhmischen Glas- und Kronleuchtertradition.
Historische Glasarmkronleuchter erhalten und restaurieren
Bei historischen Glasarmkronleuchtern können im Laufe der Jahrzehnte Glasarme, Lichtschalen, Mittelteile oder einzelne Kristalle beschädigt werden oder verloren gehen.
Gerade bei einer Restaurierung ist es wichtig, Form, Abmessungen, Schliff und Konstruktion der vorhandenen Originalteile genau zu berücksichtigen.
CHRISTOPH PALME führt auch heute noch zahlreiche historische und moderne Kristalle, Glasteile und Ersatzteile für Kronleuchter und unterstützt bei der Suche nach geeigneten Komponenten.
Ein Klassiker böhmischer Glaskunst
Der Glasarmkronleuchter verbindet auf einzigartige Weise die Kunst des Glasformens mit traditioneller Schleiftechnik und dem Handwerk des Leuchtenbaus.
Seine transparenten, geschwungenen Arme und der reichhaltige Kristallbehang machen ihn bis heute zu einer der charakteristischsten Formen klassischer böhmischer Kronleuchter.
CHRISTOPH PALME – Erfahrung mit Glas- und Kristallkronleuchtern seit 1724.
Historische Grundlage: Dr. Gerd Hickisch, „Christoph Palme – Kristallkronleuchter seit 1724. Über 250 Jahre.“